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Ich-Buch und Plauderplan

Teilhabe für Menschen mit Behinderung durch Unterstützte Kommunikation

Beitrag von Andrea Lutz in der "Neuendettelsauer Chronik", Dezember 2006

Ramon ist 19 Jahre alt, Melik 12. Die beiden Jungs haben ihre Vorlieben, Hobbies, ihre Stärken und Schwächen. Ramon mag blonde Frauen, er hat ein Faible für ein bestimmtes Rasierwasser, sammelt Baseballmützen und isst gern Pizza. Melik hilft gern beim Kochen in der Wohngemeinschaft. Ramon und Melik leben im Friedenshort der Diakonie Neuendettelsau auf der Gruppe "Jim Knopf". Der Friedenshort ist ein Heim für schwerbehinderte Kinder und Jugendliche. Weil Ramon und Melik nicht sprechen können, versuchen die Mitarbeiter im Friedenshort, die Gedanken und Wünsche der beiden durch den Einsatz verschiedenster Kommunikationssysteme zu Worten werden zu lassen.

Die Alternativen zur eigenen Lautsprache, die man unter dem Begriff "Unterstützte Kommunikation" zusammenfasst und mit denen die Mitarbeitenden Melik und Ramon begleiten, reichen von einfachen Gesten, Bildern, grafischen Symbolen oder Tasterspielzeugen bis hin zu Gebärden oder technischen Geräten mit künstlicher Sprachausgabe.

Bildsymbolkarten für die Kommunikation bei der Arbeit und in der Freizeit

Jürgen Zenker, Abteilungsdirektor in der Behindertenhilfe der Diakonie Neuendettelsau erklärt: "Wir bieten Menschen mit Kommunikationsbeeinträchtigung entsprechende Hilfen an. Aufgabe der Mitarbeitenden ist es, gemeinsam mit den Betroffenen Wege der Kommunikation zu finden." Dabei lassen die Betreuer sich davon leiten, mit welcher Möglichkeit sich die Bewohner mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten unabhängig ausdrücken können.

Bestellung per Knopfdruck

Ramon wird beim Brötchen holen mit einem speziellen Aufnahmegerät - einem Step-By-Step - ausgerüstet. Drückt er den blauen Button, der an seinem Rollstuhl montiert ist, ertönt die aufgezeichnete Stimme einer Mitarbeiterin. Auf einem kleinen Speicher kann sie einen "Plauderplan", der Menschen mit Behinderung zum Gespräch anregen soll, ebenso aufsprechen wie eine Bestellung für die Bäckerei: "Fünf Kaisersemmeln, bitte." Die Verkäuferin packt fünf Brötchen in eine Tüte. "Darf es noch etwas sein?" fragt sie Ramon. Der betätigt den Schalter erneut. "Das ist alles", sagt die Stimme vom Aufnahmegerät. Ramon kann das Wechselgeld schlecht greifen und auch seinen Rollstuhl muss die Betreuerin schieben. Der Stolz jedoch, den der junge Mann verspürt, weil er die Bestellung ohne Hilfe aufgeben konnte, ist unermesslich und lässt ihn über sich hinaus wachsen.

Ramon beim Bäcker

In die Wohngruppe zurückgekehrt, hilft Melik weiter. Über einen Netzschaltadapter namens Powerlink wird für ihn ein Taster (Jelly Bean) mit der Stromzufuhr für einen Pürierstab verbunden. Betätigt der Junge den Knopf, läuft das Gerät an. Die Brötchen, die Ramon eingekauft hat, werden püriert und zu einem Abendessen für die Kinder zubereitet, die Nahrung über eine Sonde zugeführt bekommen müssen. Melik trägt so seinen Teil zum Gelingen des Nachtmahls bei.

Meliks Powerlink

Doch es gibt auch anderer Wege zu kommunizieren: Lena aus dem Christophorus-Heim bestückt ein kleines "Ich-Buch" mit von ihr am Computer ausgewählten Symbolen. Darin sind genau die Bilder gesammelt, die für ihren Alltag wichtig sind: Eine Gitarre kann man sehen, ein lachendes Gesicht, das Symbol für Betreuer und vieles andere. Heute soll ein Bett dazu kommen, denn wenn Lena müde ist und einen Mittagsschlaf machen möchte, soll sie dies selbst mitteilen können.

Bildersammlung erweitert

Kommunikation stellt ein Grundbedürfnis der Menschen dar. Erst dadurch ist ein Leben in Gesellschaft möglich. Menschen mit und ohne Behinderung brauchen Partner, denen sie etwas mitteilen können und die sie verstehen. Sie benötigen Orte an denen sie sprechen und Werkzeuge, mit denen sie kommunizieren können. Die Verantwortlichen der Diakonie Neuendettelsau haben es sich mit dem Arbeitskreis "Unterstützte Kommunikation" zur Aufgabe gemacht, diese Möglichkeiten für Melik, Lena, Ramon und viele andere Kinder voranzubringen.

Das in den USA produzierte "Boardmaker"-Programm offeriert 4000 Bildsymbole. Oft jedoch fehlen genau die Zeichen, die für die Bewohner in Neuendettelsau, Bruckberg oder Himmelkron wichtig sind. Ein feiner Lebkuchen aus der Diakonie-Bäckerei ist im Fundus ebenso wenig abgespeichert wie ein Bildsymbol für den Friedenshort oder das geliebte Therapie-Pferd. Diese Symbole erarbeiten die Mitarbeiter im Arbeitskreis nach und nach und haben das Programm inzwischen um 800 Bilder erweitert. Als nächster Schritt ist geplant, eine einheitliche Beschilderung im Werk mit Bildsymbolen vorzunehmen. Damit wird für Ramon, Melik und Lena nach und nach ein Umfeld geschaffen, das sie noch mehr teilhaben lässt am Leben in der Gemeinschaft.

STANDORTE IM ÜBERBLICK:
  • Die Regionen der Behindertenhilfe
HAUPTSTANDORTE:
  • Bruckberg
  • Gunzenhausen
  • Himmelkron
  • Neuendettelsau
  • Obernzenn
  • Polsingen
  • Rothenburg
WEITERE STANDORTE:
  • Ansbach
  • Neustadt a.d. Aisch
  • Oberdachstetten
  • Uphertshofen

Aktuelles:

  • Bayerisches Fernsehen zeigt Dokumentation über Unified Basketball
  • Alles soll für Menschen mit Behinderung zugänglich sein
  • Waldheim in Obernzenn wieder eingeweiht

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